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Fehler bekennen, Verbrechen verhindern

Würzburg. In erschütternder Weise zeigen Gutachten immer wieder das Ausmaß sexualisierter Gewalt im kirchlichen Umfeld. Seit 2010 erste Missbrauchsfälle von Ordensleuten am Canisius-Kolleg in Berlin aufgedeckt worden sind, beschäftigen sich Gemeinschaften in Deutschland mit der Aufarbeitung. 2020 wurden alle bisherigen Richtlinien in enger Abstimmung mit der Deutschen Bischofskonferenz überarbeitet und entsprechende Bestimmungen erlassen. 13 Orden und Kongregationen, die im Bistum Würzburg tätig sind, haben 2021 einen gemeinsamen Beraterstab ins Leben gerufen. Zu ihrem jüngsten Treffen im März hatten die Ordensleute nun Vertreterinnen der Aufarbeitungskommission des Bistums eingeladen, um über eine Kooperation zu reden.

Die Aufarbeitungskommission des Bistums Würzburg konzentriert sich auf das Personal des Bistums

Die Aufarbeitungskommission des Bistums Würzburg konzentriert sich laut Auftrag von Bischof Jung auf das Personal des Bistums. Ordensgemeinschaften als solche sind nicht Bestandteil des Konzeptes. Es gibt aber Überschneidungen, wenn Schwestern oder Brüder in Einrichtungen des Bistums angestellt waren. Dass sie mit dem Gutachter des Bistums zusammenarbeiten, steht für die Ordensgemeinschaften außer Frage. Die Oberen haben bei ihrem Treffen im März aber auch erneut darüber diskutiert, wie eine eigene Aufarbeitung aussehen könnte. Den Ordensleuten ist es wichtig, „der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, eigene Fehler zu bekennen, Konsequenzen zu ziehen, den Betroffenen Gerechtigkeit widerfahren zulassen und alles in der Macht des jeweiligen Amtes und der Organisation stehende zu tun, damit künftig solche Verbrechen verhindert werden“, wie es im letzten Sitzungsprotokoll heißt.

Unabhängiger Beraterstab soll dabei helfen künftig solche Verbrechen zu verhindern

Der unabhängige Beraterstab soll dabei helfen. Rechtsanwalt Thomas Braun, Psychotherapeutin Elisabeth Kirchner (Wildwasser Würzburg), Sozialrichter i. R. Burkhard Löffler, Kirchenrechtler Prof. Dr. Martin Rehak (theol. Fakultät Würzburg) und Psychologin Nina Rübsam (Hauptamtliche der Kreuzschwestern, Gemünden) beraten die Ordensoberen. Das Gremium macht keine Aufarbeitung, sondern bringt wichtige Impulse und vor allem fachliches Know-How in die Diskussionen der Ordensgemeinschaften ein. Der kritische Blick von außen ist dabei besonders wertvoll.

In der jüngsten Sitzung waren nun Prof. Dr. Anja Amend-Traut, Inhaberin des Lehrstuhls für Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte, Kirchenrecht und Bürgerliches Recht an der Universität Würzburg, und Vorsitzende der Unabhängigen Aufarbeitungskommission des Bistums Würzburg, sowie Dr. Hülya Düber, Referentin des Jugend-, Familien- und Sozialreferates der Stadt Würzburg, zu Gast. Die beiden stellten die Arbeit der Aufarbeitungskommission des Bistums Würzburg vor. Ziel aller Bestrebungen sei, systemische Schwächen aufzudecken, um für die Zukunft – soweit möglich – Missbrauch zu vermeiden. Intensiv werde laut Amend-Traut überlegt, wie Betroffene in das Gutachten einbezogen werden können.

13 Ordensgemeinschaften möchten Aufarbeitung und Prävention vorantreiben

Die 13 Ordensgemeinschaften möchten Aufarbeitung und Prävention vorantreiben. Ihre Organisationen stellen sich allerdings sehr komplex dar. Die Orden sind mitunter in verschiedenen Bistümern tätig oder wirken in Einrichtungen anderer Träger und haben somit nicht immer Zugriff auf Akten. Zudem sind die Einsatzorte mehr als vielfältig, die Schwestern und Brüder wirkten und wirken in Heimen, Kindergärten und Schulen, in der Seelsorge, in therapeutischen Einrichtungen oder auch in der Mission. Manche Orden wiederum haben gar keinen Kontakt nach außen. In einem nächsten Schritt will sich nun der Beraterstab alleine mit Anja Amend-Traut treffen und unabhängig von den Ordensoberen überlegen, welche Empfehlungen sie den Gemeinschaften in Sachen Aufarbeitung geben können.

Wichtig ist den Ordensleuten vor allem eines: Betroffene können sich jederzeit an die unabhängigen Ansprechpartner wenden. Deren Namen und Kontaktdaten finden sich auf den Internetseiten der Gemeinschaften.

Die 13 Ordensgemeinschaften, die mit dem Beraterstab zusammenarbeiten, sind:

  • Bayerisch-Deutsche Provinz der Augustiner, Würzburg
  • Comboni-Missionare Deutschsprachige Provinz, Nürnberg
  • Deutsche Provinz der Claretiner
  • Deutsche Provinz der Karmeliten, Bamberg
  • Deutsche Provinz der Missionare von Mariannhill, Würzburg
  • Deutsche Provinz der Schwestern vom Guten Hirten, Würzburg
  • Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu, Würzburg
  • Dillinger Franziskanerinnen Provinz Bamberg (im Jahr 2021)
  • Fränkische Provinz der Dominikanerinnen, Neustadt
  • Franziskaner Minoriten Provinz St. Elisabeth, Würzburg
  • Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz
  • Kongregation der Ritaschwestern, Würzburg
  • Kongregation der Schwestern des Erlösers, Würzburg

(Gemeinsame Pressemitteilung aller 13 beteiligten Ordensgemeinschaften)